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micro35

 

Produktion auf hochauflösenden Digitalformaten hat klare Vorteile: sehr mobile Kameras, technisch (nicht künstlerisch) einfachere Ausleuchtungen und vor allem eine große Kostenersparnis bei Material- und Mietkosten. Einerseits entsprechen allerdings Auflösung und Kontraste einer DV-Kamera nicht denen von optischem Material, andererseits haben Videoobjektive bauartbedingt eine hohe Tiefenschärfe. Vorder- und Hintergrund sind fast immer scharf, ein künstlerisches Arbeiten mit Schärfe und Unschärfe ist nicht möglich.

Zur Lösung dieses Problems hat P+S Technik das System Mini35 entwickelt, bei dem das Bild durch eine 35mm-Kinooptik auf eine rotierende Mattscheibe projiziert und von dort auf die CCDs der Videokamera umgelenkt wird. Das System ist in Anschaffung und Miete vergleichsweise teuer, weshalb z.B. der Kameramann Matthias Fleischer die Idee hatte, über das Abfilmen des Sportsuchers einer Kleinbildkamera einen ähnlichen Effekt mit wesentlich geringerem Aufwand zu erzielen (Kleinbildobjektive ähneln in ihrer Schärfecharakteristik wegen der gleichen Negativgröße eher Filmobjektiven als Videoobjektiven).

Wir haben zunächst ein ähnliches System entwickelt, das vor allem noch geringere Kosten verursacht, und es micro35a genannt. Es besteht aus einer Handycam und einer vormontierten EXA-Sportsucherkamera. Da die EXA keinen Sucher mit Dachkantprisma (sondern eine einfache Spiegelkonstruktion) hat, muß der Kameramann mit einem horizontal seitenverkehrten Bild zurechtkommen (für eine professionelle Produktion undenkbar), außerdem wird die Videokamera senkrecht über die Kleinbildkamera montiert, was zu Instabilitäten bei Handkamerabetrieb oder Fahrten führt, weil sich die Konstruktion schnell aufschaukelt. Dieses System funktioniert ansonsten einwandfrei (die Interviews im Making-Of von ID sind mit micro35a gedreht).

Zu den Dreharbeiten von ID kam dann die zunächst die links abgebildete Konstruktion mit einer XL-1 DV-Kamera und einer F3 Kleinbildkamera zum Einsatz (micro35b – ein Prototyp, den wir erst in der Woche vor der Produktion bauen konnten). Statt der erwarteten Verbesserung der Qualität des Gesamtsystems gegenüber der ersten Varianet führte dies Kombination allerdings wegen der Länge der XL1-Optiken zu einer Verschlechterung; außerdem ist der Sportsucher der F3 außerordentlich lichtschwach und vignettiert schon für das menschliche Auge sehr deutlich. Das Bild wies daher nicht justierbare Schärfe- und Lichtvignetten auf, und der intendierte Tiefenunschärfe-Effekt wurde durch diese überlagert. Es wurde außerdem sofort klar, daß wir für das lichtschwache System in großen Locations wie dem Kino REX nicht genügend Licht zur Verfügung gehabt hätten, so daß wir letztendlich nur einen Tag mit micro35 gedreht haben. Die grundlegende technische Idee wurde aber noch nicht verworfen und wird wahrscheinlich in anderer Form für den Kurzfilm Augenlicht (2004) von Roland Schäfer verwendet.

                     © 2003-2004 Fuchs & Schäfer GbR